Montag, 20. Mai 2013

Mein Wochenende mit der E-M5

Jetzt steht sie hier. Die wunderbare Olympus OM-D E-M5. Ich habe die Kit-Version mit 12-50 3,5-6,3 und Aufsteckblitz hier vorliegen.
Direkt mal einen Hinweis am Anfang. Es befindet sich ein Handbuch dick wie Telefonbuch Tokio in der Verpackung. Was man darin findet ist allerdings ziemlich mau. Es handelt sich um ein Quickstart Guide in unzähligen Sprachen. Somit erfüllt dieses "Handbuch" den Zweck die Verpackung schwerer wirken zu lassen. Möchte man das echte Handbuch haben, muss man die CD einlegen die sich ebenfalls in der Verpackung befindet und das PDF öffnen oder das Ding auf der Olympus Seite laden.
Über den tollen Sucher, die wahnsinns Verarbeitung etc. möchte ich an dieser Stelle gar nichts schreiben. Das wurde an anderer Stelle ja schon oft genug getan.
Die Fotopraxis mit der OM-D:
Wenn man sich brennend für eine Kamera interessiert, liest man sich vorher in Foren und Blogs ordentlich ein. Genau das hab ich auch getan. Die üblichen verdächtigen wie dpreview, Robin Wongs Blog, das Systemkamera Forum usw. kann ich inzwischen auswendig. Somit wusste ich im allgemeinen schon vorher worauf bei den Einstellungen zu achten ist. Olympus Kameras sind ja für ihre .jpgs berühmt. Aber als erstes wollte ich, so wie ich es von meiner D700 gewohnt bin, RAW Bilder machen. Ausserdem macht es Robin, seine Fotos lassen mir immer wieder die Kinnlade runterklappen, ganz genau so. Nachdem ich jede Menge schöne Motive gefunden hatte, direkt an den Rechner und mit Olympus Viewer 3 die Bilder übertragen. Zack! Die erste Ernüchterung! Der Viewer arbeitet im Zeitlupen Tempo. Wirklich unerträglich langsam. Dazu wirkten die Bilder total kontrastarm. Keine Ahnung wie Robin Wong das macht, aber das war nix für mich. Nach kurzer Zeit war ich total entnervt und hab die RAWs in mein Lightroom geladen. Hier wirkten die Bilder etwas besser. Aber auch hier gab es direkt einen Dämpfer. Keine Objektivkorrektur oder andere Features wie Artfilter etc. Olympus und RAW? Gut geht anders!
Also Kamera ohne weitere Einstellungen auf jpg gesetzt und wieder raus. Nach ein paar Stunden und vielen Bildern später hiess es Bildmaterial sichten. Ja, das sah schon besser aus, aber irgendwie rauschte mir ISO 200 noch zu sehr und weiter entfernte Strukturen wirkten irgendwie "grieselig". Meine erste Überlegung war: Vielleicht löst das Kit-Objektiv ja nicht genug auf. Jetzt wurde es Zeit sich mit den üppigen Menus auseinander zu setzen. AHA! Die jpgs werden in bester Einstellung nur in Fine und nicht in Super Fine gespeichert. Schnell geändert und wieder raus. Jetzt bin ich an meinen Wunschergebnis nah dran, Sehr nah!
Um Frank Sinatra zu zitieren "I did it my way" wollte ich alles vergessen was ich über die Einstellungen der OM-D gelesen habe und habe alles nach Baugefühl eingestellt. Die Entrauschung stand bisher auf "aus". Meine neue Einstellung war dann "weniger" Die Schärfe hab ich dafür von 0 auf +1 gesetzt. Dazu den Kontrast auf +1. Nach einer weiteren Testreihe musste ich feststellen, dass es nicht so eine gute Idee war den Kontrast auf +1 zu stellen. Die Sonne ging bereits unter und so sind viele dunkle Bereiche etwas zu stark zugesuppt. Wenn mir das ein oder andere Bild also demnächst nicht "knackig" genug aussieht, werde ich einfach den Kontrast nachträglich erhöhen. Aber der Rest der Einstellung passte sehr gut. Ich bin mit der finalen Bildqualität rundum zufrieden und sehr glücklich.
Das Objektiv:
Auch wenn es schon jede Menge Berichte über das 12-50 gibt muss ich hier noch etwas drüber schreiben. Ich nenne das Objektiv die "grosse Chance". Warum dieser blöde Name? Es deckt einen Brennweitenbereich von 24-100 mm ab, ist sehr schnell, super für Videos geeignet und bietet einen für ein Zoom-Objektiv fantastischen Macro-Bereich. Wenn man mit diesem Teil unterwegs ist, ist man für fast alle Situationen gerüstet. Setze ich stattdessen auf optisch deutlich bessere Festbrennweiten entgeht mir ggf. das ein oder andere Bild. Die Lichtstärke ist dafür allerdings ziemlich übel und im Brennweitenbereich des 14-42 II schneidet es in den Details durchgängig etwas schlechter ab. Trotzallem: Es wird mein "immer drauf" wenn ich nicht genau weiss was mich fotografisch erwartet.
Allgemeine Gedanken zur OM-D:
Während ich das hier schreibe steht sie neben mir und sieht mich an. Immer wieder fällt mein Blick während des tippens auf das schwarz/silberne Gehäuse und ich denke mir: "Wow, sieht die toll aus!" Sie ist ein totaler hingucker und man fasst sie wirklich gerne an. Alles sehr wertig und edel. Die Bildqualität kommt selbstredend nicht an mein Nikon Equipment ran. Der Vergleich ist allerdings nicht ganz fair, da ich für meine Nikon High-End Zooms habe bei denen ein Objektiv fast das doppelte der Kamera mit Kit-Linse kostet. Nehme ich mein 45 1,8 liegt die Qualität nur noch leicht drunter. Und das bei einigen Kilos sowohl beim Gewicht als auch im Euro bereich weniger.
Mit der OM-D zeigt Olympus wie die Fotografie der Zukunft aussieht. Der Sucher, hier war ich bis zum Schluss trotz der vielen guten Berichte sehr skeptisch, ist super. Kleine Anekdote dazu: Mein Vater hat nicht einmal bemerkt das es ein elektronischer Sucher war durch den er geguckt hat. ;) Die AF Geschwindigkeit liegt ohne weiteres auf DSLR Niveau, Grösse und Gewicht lassen den eh schon überladenen Fotografen jubeln. Wenn ich jetzt durch den Sucher meiner D700 blicke vermisse ich einfach die Möglichkeit direkt der Gradation in das Bild einzugreifen. 2 Tage haben gereicht um mich an die vielen Features dieser kleinen, genialen Kamera zu gewöhnen. Die OM-D lässt, hat man sich einmal reingefuchst, kaum Wünsche offen! Der grösste Fehler den man machen kann ist zu sagen: Oh, ich fahre morgen in Urlaub und kauf mir noch schnell die OM-D. Die Bildergebnisse würden ohne Modifikationen für gemischte Gefühle sorgen. Die Kamera möchte das man sich mit ihr beschäftigt. Es ist keine Knipse sondern ein Werkzeug für anspruchsvolle Fotografie.
E-M5, 12-50

E-M5, 12-50

E-M5, 45 1,8















































Weitere Beispielbilder findet ihr auf meinem Flickr Account:
luelles Flickr

Was erwarte ich für die Zukunft?
Es gibt ja schon eine Menge Gerüchte über einen Nachfolger. Der grössere Sucher VF-4 wird da mit Sicherheit ein Thema sein und die in der E-P5 kommende 1/8000 Verschlusszeit ist bei den lichtstarken Festbrennweiten extrem wichtig und kleine Fokuspunkte stehen ebenfalls ganz oben auf meiner Wunschliste. Die Lupe ist nicht schlecht, aber eben nicht optimal gelöst.
Aber Olympus hat ganz andere Baustellen zu bearbeiten. Wo bleiben bitte die qualitativ hochwertigen Zooms? Panasonic hat ja gezeigt das es nicht so schwer ist lichtstarke Zooms zu bauen. Leider haben die nur den OIS, den optischen Bildstabilisator eingebaut. Das macht die Dinger unnötig gross. Wir Olympus User haben ihn in der Kamera eingebaut. Jetzt ist Olympus gefordert und mit entsprechenden Optiken zu versorgen. Im 4/3 Bereich gab es das tolle 14-54 oder das sehr gute 12-60. Sowas wird dringend benötigt! Zudem muss Olympus den Leuten da draussen mal klar machen was so toll an der Kamera ist. Das Teil auf irgendwelchen Kunstinstallationen den Besuchern in die Hand drücken ist ja ganz nett, aber mit Sicherheit nicht zielführend für eine echte Markterweiterung. Die Marketingpräsens von Olympus ist hier deutlich verbesserungswürdig! Wieso gibt es das digitale Olympus Magazine für iOS und Android nur in der UK Fassung? Warum wurde der E-Club mit dem recht interessanten Magazin eingestellt?
Und das Wichtigste: Legt den Objektiven eine Gegenlichtblende bei. So ein Centartikel wird mit Sicherheit nicht über die finanzielle Zukunft von Olympus entscheiden. Dafür würden die ohnehin schon sehr guten Objektive noch besser, denn der Unterschied zwischen Gegenlichtblende drauf oder weg ist nicht zu unterschätzen. Aber dazu später mal mehr.
Olympus: Ihr habt das mit Abstand beste Systemkamera Programm, aber ihr müsst euch bewegen sonst kommen andere und grasen den Markt trotz schlechterer Produkte, aber besserem Marketing, ab!